Da Rainer
Timm mich schon vor längerer Zeit gebeten hat, einen Artikel über
Vierleiner
für
seine Homepage zu schreiben komme ich hier seinem Wunsch nach, nicht ohne
vorher einige persönliche Anmerkungen zum Thema Drachen und Vierleiner
zu machen.
In meiner
„Drachentasche“ befinden sich Einleiner, Zweileiner und Vierleiner, die
alle im Wind schön anzusehen sind und prima Fliegen.
Daß
der Drachenvirus auch mich erwischt hat kann ich nicht verleugnen, schlimmer
noch ist, daß der heimtückische Virus „REVOLOGIKUS“ mich
immer wieder mit diversen Leinen und Drachen auf die Wiese zieht.
Diese seltene Infektion hat mir meine Familie schon oft bestätigt.
Eine weitere Erklärung könnte meine Lieblingszahl 4
sein. Was liegt da näher, als 2 Lenkdrachen Gleichzeitig (mit
4 Leinen) oder konsequenterweise gleich Lenkdrachen mit 4 Lenkleinen zu
fliegen. Selbst mein Lieblingsvierleiner REOLUTION 1.5 deutet darauf
hin (5-1 = 4 ). Dies könnten Erklärungen für
meine Vorliebe für Vierleiner sein, die mit Sicherheit auch in diesem
Artikel durchschimmert.
Was
das Fliegen von Revolutions und anderen Vierleinern angeht, so würde
eine genauere Einführung hier sicherlich den Rahmen sprengen.
Ich möchte aber kurz die Vorteile des Vierleiners beschreiben:
Beim
Vierleiner läßt sich zu jeder Zeit die Geschwindigkeit über
2 Griffe regulieren, er kann fast an jeder Position des Windfensters
gestoppt und gehalten werden und fliegt dann auch rückwärts.
Auch Trickflug ist mit einem Vierleiner möglich, sogar Indoor-Fliegen
(in der Turnhalle bei 0 Wind) ist für den Geübten kein Problem.
Paar-und Teamflug mit Vierleinern ist natürlich auch möglich,
aber selten zu sehen, da die Anzahl der Vierleinerflieger leider
noch viel zu gering ist. Der Weg zum Vierleinerfliegen ist allerdings recht
mühsam. Für Lenkdrachenflieger (2-Leiner) ist die Umstellung
enorm, da sie umdenken müssen und die Umstellung viel Zeit und Geduld
kostet (ich spreche hier aus eigener Erfahrung). Für mich persönlich
ist das Vierleinerfliegen auch viel gefühlvoller, da das Spektrum
der Flugfiguren doch erheblich erweitert ist und die Geschwindigkeit zu
jeder Zeit kontrolierbar ist.
Um einen
Vierleiner gut zu beherschen und richtig zu fliegen hilft nur Eins:
Üben, Üben und noch mal Üben..... Artikel in den Drachenzeitungen
- und – Büchern und auch im Internet können nur einen kleinen
Eindruck vermitteln. Hilfreicher ist auf jeden Fall, jemandem beim
Vierleinerfliegen auf die Finger zu schauen und Fragen zu stellen.
Die Geschichte
der Vierleiner oder auch Quads beginnt ca. 1988, als die Brüder Hadzikki
in Kalifornien den REVOLUTION I entwickelten. Lenkdrachen mit 2 Lenkleinen
(Delta-Stunter) gab es schon in den 80ern, die Brüder wollten die
Flugeigenschaften der Lenkdrachen aber perfektionieren. Der REV I war mit
einer Leitkantenlänge von 273cm mit dem üblichen Stabmaterial
nicht zu fliegen, so daß für den REV 1 (wie bis jetzt noch für
alle anderen Revs) besondere Stäbe entwickelt wurden, die bis heute
zu den Teuersten zählen. Eingefleischte Vierleinerflieger verwenden
nur diese original Advantage
Stäbe,
die kaum zu zerstören sind (Drauftreten oder Knieen kostet allerdings
viel Geld). Das Produkt „REVOLUTION“ i st im übrigen in diversen Varianten
in aller Welt patentrechtlich geschützt.
Kurze
Zeit später, 1989, entwickelte die Firma CUT Kites in Göttingen
den Twin, eine Variante des Revolution. Der Twin ist günstiger im
Preis und leichter zu bauen, seine Flugeigenschaften ähneln dem des
Rev, er ist, je nach Größe, aber oft zappeliger. Für den
Vierleiner-Anfänger ist der Twin sicherlich die Alternative.
1991
kam der Revolution II auf den Markt, ein kleiner Rev mit 188 cm Spannweite
und 61 cm Höhe. Er wird haupsächlich bei starkem Wind mit enormer
Geschwindigkeit geflogen. Ein guter Vierleinerflieger macht mit dem Rev
II die radikalsten Flugfiguren und die Stops kurz vor der Landung sind
atemberaubend.
Der
Rev II ist bei viel Wind nur von erfahrenen Fliegern zu beherschen.
1994
kam als Ergänzung zum Revolutionprogramm der Backtracker auf den Markt.
Er sollte eine preiswerte Variante zu den doch sehr teuren anderen Revs
darstellen. Dieser Revolution III verfügte in allen Teilen über
preiswerteres Material, selbst die Griffe waren aus Kunststoff und mit
Dacron-Schnüren fest am Drachen verbunden, so daß der Auf-und
Abbau einfacher zu handhaben war.
1995
gab es dann den Revolution I.5, der mit einer Spannweite von 225 cm und
ca 80 cm Höhe größenmäßig ungefähr
zwischen Rev I und Rev II liegt. Die Vorteile dieses, in meinen Augen,
genialsten Revs liegen in den Händen: Geringere Zugkräfte
als beim REV I und nicht so träge. Im Gegensatz zum Rev II ist der
Rev I.5 mit seiner angenehmen Geschwindigkeit besser zu fliegen,
Tricks und das Flugbild sehen wesentlich eleganter aus. Schaut man in die
Ergebnisslisten der Vierleinerwettkämpfe (Stack), so ist der
Rev I.5 dort der am meisten geflogene Drachen, meist in veränderten
Designs, da alle Revolutions in meinen Augen keine Schönheiten sind.
Die Vielzahl der Rev-Nachbauten spricht da für sich.
Der Supersonic
kam im Jahr 2000 auf den Markt. In dem aufwendigen Drachenköcher verbergen
sich einige Neuerungen: Der Supersonic hat 4 Querspreizen, der normale
Rev nur 2. Auch wurde die Leitkante verändert. Anstatt des üblichen
Gazestreifen befindet sich dort jetzt Mylar, eine durchsichtige Kunststoffolie.
Zusammengebaut hat der Supersonic nun eine „geknickte“ Leitkante (227 cm),
was dazu führt, daß der Drachen
auch
am Boden flach liegend (tot-Position) wieder gestartet werden kann. Ich
habe einige Stunden damit verbracht, mich an den „Teufel“ zu gewöhnen,
weil er so radikal ist. Der Supersonic ist wesentlich schneller als der
Rev I.5 und Tricks gehen, nach einigem Üben, besser von der Hand.
Ganz egal, was der Drachen in der Luft
macht,
er läßt sich immer wieder abfangen und dann kontrolliert weiterfliegen,
man muß ihn nur genauestens beobachten. Kurzum: Ein Spaßdrachen
mit enormen Potential
(nicht
für Anfänger).
Der Shockwave
kam zur gleichen Zeit wie der Supersonic auf den Markt. In Aussehen und
Flugverhalten ähneln sich beide, der Shockwave ( Leitkante 244 cm
) baut aber mehr Druck auf und ist auch bei weniger Wind zu fliegen.
Revolution
I.5 SLE und Revolution I.5 EXP aus der Speed-Serie sind beide gleich groß
(Leitkante
240 cm) und sind sich sehr ähnlich (auch vom Aussehen). In Anlehnung
an den Revolution I.5 wurden andere Stäbe eingebaut, was in
meinen Augen das Flugverhalten beeinträchtigt, für den Anfänger
aber insoweit akzeptabel ist, da beide, besonders der EXP, sehr preiswert
sind.
Neu bei
Revolution wird der Blast sein, etwas ähnlich dem Supersonic. Diverse
Varianten im Design und in den Windbereichen (Rev I.5 Super Ultra Light,
Supersonic vented und ein Rev.Indoor) bringen z.Z. nicht die Revolution
im Vierleinerbereich.
Verlassen
wir nun die Firma Revolution, die wahrhaft Revolutionäres im Bereich
der vierleinigen Drachen geleistet hat und schauen was es sonst noch so
gibt.
Relativ
neu auf dem Markt ist der Kamikaze-Butterfly 2.5 aus Dresden, der auch
schon bei Wettkämpfen geflogen wurde. Die Erbauer nennen ihn Flugmaschine,
was auf ein sehr radikales Flugverhalten (ähnlich dem Supersonic oder
Shockwave) schließen läßt. Bei einer Spannweite von 250
cm und 60 cm Höhe fliegt der Drachen ab 1.5 bft. (5 km/h), Geübte
fliegen den Kamikaze noch bis 5 bft(50 km/h), dann baut er aber enormen
Druck auf und fordert minimale Reaktionszeiten. Dieser „Teufel“ im Schmetterlingsdesign
hat bei einem Pack-maß von 160 cm aber enorme Vorteile gegenüber
den Revolutions: Der Kamikaze-Butterfly 2.5 kostet (mit Griffen und freier
Farbwahl) ca 160 Euro (DM 380) und die Ersatzstäbe (6 mm Exel Extreme)
sind preiswert in jedem Drachenladen zu erhalten (Supersonic ca 600 DM/300
Euro, Ersatzstab Advantage ca 40 DM). Eine
Vented-Version
ist auch erhältlich. Der Kamikaze-Butterfly 2.5 scheint eine gute
Alternative zu den Revs zu sein, im Wettkampf hat er seine Qualitäten
(auch Präzision) schon bewiesen. Ich werde ihn mit Sicherheit ausprobieren.
Auch
bei den Lenkmatten gibt es vierleinige, die oft beim Buggy-Fahren als Zugdrachen
verwendet werden. Ein älteres Modell ist die Quadrifoil mit
2.5 qm Fläche. Sie ist sehr behäbig, macht bei normalem Wind
viel Dampf und läßt sich an jeder Stelle des Windfensters abstellen
wie jeder Vierleiner, ist aber nicht präzise zu lenken. Neuere Modelle
(Flexifoil, JoJo etc. ) von vielen Firmen sind inzwischen so weit entwickelt
worden,
daß sie beim Buggy-Fahren bei Wettkämpfen eingesetzt werden.
Diese stablosen Lenkmatten gibt es in den schönsten Designs
und für alle Windverhältnisse.
1994
kam der Synergy Deca von Guildworks Flight Studio auf den Markt, eine atemberaubende
Konstruktion aus Stäben, Schnüren und etwas Segeltuch. Der Zusammenbau
glich eher einem Puzzle, aber als Belohnung flog der Vierleiner fantastisch
und war eine Augenweide. Es gab ihn noch in mehreren Varianten (incl.Indoor),
heute sieht man diese edlen Drachen kaum noch.
Vom
selben Hersteller bzw Konstrukteur, Marc Rickets, erschien 1996 der
Synergy 333, ein Dreileiner, der sehr gewöhnungsbedürftig war.
Als weitere Dreileiner seien hier noch der Trigon und der Joystick-Kite
von Eolo Sport erwähnt, die man auch sehr selten sieht.
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Desweiteren
gibt es noch eine Fülle von Beispielen, die belegen, daß Drachenbauer
sehr kreativ sind. Ähnlich dem Twin gibt es Modelle, die statt der
zwei Quadrate zwei Kreise verwenden, die dann Platz für schönste
Aplikationen bieten. Der Ectasy (Drama 2/94) soll ein gutmütiger Vierleiner
sein, Big Brother`s Eyes (Drama 4/95) stellt das Auge mit beweglicher
Iris dar, der Quadrifant(v.d.Horst: Lenkdrachen. Neue Modelle) bringt den
Elephanten an vier leinen zum fliegen, der Paradox (W.Schimmelpfennig:
Neue Lenkdrachen) sieht wirklich so paradox aus und der Double Diamond
(J.Baxmeier: Lenk-
drachen)
ist eine abgewandelte Form des Twin. Gerade mit den symetrischen Formen
bietet der Vierleiner diverse Möglichkeiten, der Aplikationswut freien
Lauf zu lassen.
Zum Schluß
noch einige Tips, Hinweise und Links, die das Krankheitsbild des Infizierten
möglicherweise verändern könnten: Was den Teamflug angeht,
so kann ich nur jedem empfehlen, sich die Decorators, Master of Disaster
oder andere auf den Drachenfesten anzuschauen (die Homepages bieten hier
nur einen kleinen Vorgeschmack)
oder
aber sich selber gleich jemanden suchen, mit dem man dann Vierleiner
im Paar fliegt.
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Zum Erlernen
sind diverse Drachenbücher und Zeitschriften hilfreich. In Sport Drachen
und Design hat John Mitchel einiges zum Thema Vierleinerfliegen geschrieben
(SDD 4/94 u.a.). Im Drachenmagazin hat derselbe dann im Jahr 1995 mehrere
Artikel nur über Revolutions geschrieben (der muß auch infiziert
sein). Baupläne finden sich ab und zu in den o.g. Zeitschriften und
Büchern sowie im Internet, wo es in den diversen Newsgroups auch was
für Drachenverrückte gibt (de.rec.drachen in deutsch oder rec.kites
in englisch).
Was
man mit Drachen noch so alles anstellen kann zeigt der „Kollege“
Andy unter
Dort sieht man u.a. daß eine Person, eben jener Andy; zwei, manchmal sogar drei Lenkdrachen gleichzeitig Fliegt. In Bälde wird dort auch noch einiges über Vierleiner erscheinen. Die folgenden Links geben einen sehr guten Überblick, was Vierleiner in aller Welt brtrifft:
Artikel: Josef Moß
Fotos:
Trivolution,
Andreas Höft, Manuel Berz, Josef Moß, Fa.Wolkenstürmer,
Rainer Timm,
PS: sollte noch jemand etwas zu diesem Artikel
beisteuern wollen, oder vieleicht ein paar eigene Bilder ?? ........
Der
sende es, oder schreibe es an mich. RT.